Jüdisches Leben braucht besonderen Schutz

24.06.2021

Im Idealfall spielen Religion oder kulturelle Herkunft keine große Rolle mehr. Der Alltag und das Miteinander sollten sich nur danach richten, wohin jemand will, nicht woher er kommt, welche Bücher in seinen Regalen stehen oder welchen Gott er anbetet. „Wenn aber in Deutschland in aller Öffentlichkeit jüdische Symbole geschändet und israelische Fahnen vor jüdischen Einrichtungen brennen, ist es höchste Zeit die Garantien für jüdisches Leben in Deutschland nicht nur zu untermauern, sondern sie grundlegend zu erneuern,“ erklärt der Vorsitzende der FDP Hanau, Henrik Statz, der gemeinsam mit dem Hessischen Landtagsvizepräsidenten, Dr. h.c. Jörg-Uwe Hahn und den FDP Stadtverordneten Angelika Opfermann und Holger Vogt die jüdische Gemeinde in Hanau besuchte. „Dies gilt, um Missverständnissen vorzubeugen, auch für jede andere Glaubens- und Kulturgemeinschaft, die die Werte des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland achtet und sich für ein friedliches Miteinander einsetzt,“ so Statz weiter. Die Neugründung der Jüdischen Gemeinde in Hanau im Jahr 2005 markierte nicht nur einen Neustart jüdischen Lebens in der Geburtsstadt des großen jüdischen Malers Moritz Daniel Oppenheim, sondern sie soll auch die über 400 Jahre alte Geschichte der Gemeinde mit einem neuen Verantwortungsbewusstsein der Hanauer Bürgerschaft fortschreiben. 

 „Als Gemeinde versuchen wir immer wieder mit allen Teilen der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen,“ erklärt Oliver Dainow, der Geschäftsführer der Gemeinde. Das gilt für Schulen gleichermaßen wie Stadtpolitik als auch andere Glaubensgemeinschaften in der Stadt. „Durch die Coronapandemie konnten Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür oder die vielbeachteten jüdischen Kulturwochen, die die Gemeinde im Jahre 2019 ins Leben rief, nicht stattfinden. Insofern sind wir sehr glücklich, dass es Dank der Fördermittel des Hessischen Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus (HKE) in Kürze möglich ist, jüdisches Leben digital zu vermitteln und Führungen durch Synagoge und Gemeinde virtuell zugänglich zu machen,“ so Dainow weiter.

In Bezug auf die jüngsten Eskalationen im Nahen Osten und die damit verbundenen antisemitischen Vorfälle hierzulande erklärte Oliver Dainow, es sei grauenhaft wie niedrig die Hemmschwelle sei „Scheiß Jude“ auf offener Straße zu skandieren. Solche Eskalationen führten auch zu großer Sorge der Gemeindemitglieder, die sich in Hanau, laut Dainow, grundsätzlich sicher fühlten. „Die Gottesdienste und Veranstaltungen stehen prinzipiell unter Polizeischutz, was zu einem entsprechenden Sicherheitsgefühl während der Gemeindeveranstaltungen beiträgt.“ Dainow lobte den Kontakt zu den lokalen Behörden, mit denen man in regelmäßigem Austausch stehe, um Vorfälle auf kurzem Wege melden und nachverfolgen zu können.

„Wenn Juden in Deutschland wieder Anlass haben, sich wegen ihrer Religion um ihre Sicherheit fürchten zu müssen, können Gesellschaft und Politik nicht tatenlos zusehen. Dass es nach der deutschen Einheit gelang, jüdisches Leben in Deutschland durch Zuwanderung zu beleben, war kein Selbstläufer, sondern eine erhebliche Leistung gegen viele Widerstände. Wir Freie Demokraten sind entschlossen, jüdisches Leben zu schützen und zu stützen. Ich spreche mich schon seit mehr als einem Jahrzehnt für einen Pflichtbesuch jedes hessischen Schülers in einer Gedenkeinrichtung aus“, erklärt der Hessische Landtagsvizepräsident, Jörg-Uwe Hahn. Ähnlich wichtig erachtet der Hanauer FDP Vorsitzende Statz, dass man regelmäßig im Gespräch bleiben muss. Nur so wird ein neues Wir geschaffen und eine Grundlage für ein respektvolles Miteinander. Und für diesen regelmäßigen Austausch möchten wir Freien Demokraten in Hanau uns verpflichten.