Eine kurze Geschichte über Mut

15.04.2021

Mut kann sich in vielen Formen zeigen, angefangen beim Aufsagen eines Gedichts vor größeren Menschenansammlung, über das Besteigen des Matterhorns, bis hin zum Einstehen für die eigene Meinung in einer hitzigen Debatte. Das macht Mut erst einmal nicht zwingend zu etwas heroischem, sondern in erster Linie zu etwas ganz Persönlichem, denn im Kern geht es darum, sich bewusst dafür zu entscheiden, bislang selbst gesetzte Grenzen aktiv zu überwinden, unabhängig davon wie groß oder klein diese Grenzen auch sind. Ebenfalls verbindend, wirkt bei Mut, das eigene Handeln nicht nur zu denken, sondern es auch zu verwirklichen, denn nur durch dieses Handelns kann die Zukunft erst ihre Richtung ändern. Das kann natürlich auch ein gewisses Risiko beinhalten, auf das sich nicht jeder einlassen möchte. Denn Fehler sind weder von außen, noch in Zeiten der krankhaften Selbstoptimierung auch von innen gern gesehen.

Zudem hat es die Zukunft heute schwer genug, denn für viele Menschen ist sie kein Sehnsuchtsort mehr, der ein besseres Morgen verheißt, sondern eine gigantische Black Box, die scheinbar in einem geschlossenen System vor sich hin fuhrwerkt, ohne dass wir darauf Einfluss nehmen können. Deswegen lässt man die Zukunft auch erst einmal sprichwörtlich auf sich zukommen – als imaginierte Fortschreibung der Gegenwart, projiziert auf einen Zeitpunkt X, mit vielen Unbekannten und somit zunächst als berechtigten Grund zur Sorge. Diese unbekannte, angstmachende Zukunft nannte der Publizist Harry Gatterer in dem Buch „Nur Mut!“, die abwesende Zukunft. Wenn es aber eine abwesende Zukunft gibt, dann muss es auch eine anwesende geben aber was versteckt sich dahinter? Natürlich gibt es auch hier viele Unbekannte und Variablen, die anwesende Zukunft verlässt sich aber auf Erfahrung, auf unsere Fähigkeiten, auf Erlerntes und dass wir dies alles zweckbringend einsetzen können. Wir nennen diese anwesende Zukunft in anderem Zusammenhang auch gerne Zuversicht oder Hoffnung, weil sie uns mit besten Absichten und voller Optimismus durch die Gegenwart treibt. Leider ist diese Hoffnung für viele nicht mehr attraktiv genug und es macht sich die Sehnsucht nach einer vergangenen Zukunft breit, eine Zukunft, die zurückholen will, was war. Diese Zukunft bedient sich gerne des „Great again“-Narrativs. In Ermangelung an Hoffnung oder Perspektive fordert sie vermeintliche Gewissheiten der Vergangenheit ein und ist entschlossen dazu bereit, gerne auf die Ideen von morgen zu verzichten, wenn bloß nur wieder alles so wird wie es war. Sie ist der Ausdruck von Angst, von Resignation aber auch der Überforderung, die Kackophonie des Irrelevanten nicht mehr in wahr und unwahr sortieren zu können, sie stößt uns aus der Rolle des Gestalters und macht uns zu unmündig-passiven Betroffenen. Damit verkaufen wir uns aber unter Wert.

Ja, wir befinden uns in einer Krise, von der wir nicht wissen wie intensiv und lange sie uns noch begleiten wird. Aber wir täten gut daran, uns jetzt schon wieder vor Augen zu führen, mit welchen Qualitäten wir uns wie Phönix aus der Asche zu neuem aufschwingen können, um neue Möglichkeitsräume zu erschließen. Das ist doch das Wesen des Menschlichen, was uns Visionen träumen und kongruente Vorstellungen von Zukunft erschaffen lässt, die Motivation und Orientierung bieten. Dafür braucht es gar nicht viel. Nur Mut!